Essanfälle gegen die innere Leere und was wir dagegen tun können

Oft schlägt sie vor einem Essanfall zu, ganz plötzlich und unvermittelt oder an ganz gewöhnlichen Sonntagen. Dieses unangenehme Gefühl, dass der Kopf irgendwie vernebelt ist oder eine tiefe Trauer an einem nagt. Und man verdammt nochmal keinen blassen Schimmer hat, warum. Man fühlt sich seelisch wie erstarrt. Dieses Gefühl wird auch als innere Leere bezeichnet.

Innere Leere

Nur Unlust und Antriebslosigkeit scheinen in diesem Vakuum Platz zu finden: Wir wollen nichts sein, nichts tun und schlimmstenfalls einen Essanfall nach dem anderen zu schieben. Obwohl diese innere Leere bei jedem ganz individuelle Ursachen hat, ist sie immer dazu da, uns irgendwie zu schützen: vor negativen oder abgespaltenen Gefühlen, die wir längst in uns vergraben haben. Vielleicht haben wir uns früher oft einsam gefühlt und niemand in der Familie hat uns in den Arm genommen. Oder wir hatten nur wenige Freunde und wurden vielleicht sogar gemobbt.

Hör den Gedanken zu

Als Kind versuchen wir diese negativen Gefühle einfach auszublenden, vergraben sie aber ganz tief in unser Unterbewusstsein und noch heute klopft das Gefühl regelmäßig an und wir stopfen das Loch mit Essen. So haben wir es vielleicht auch schon früher getan, um uns im Leid wenigstens noch ein paar gute Gefühle zu verschaffen.

Die Nachricht, die für dich wahrscheinlich nicht neu ist: Die innere Leere wird stets mit derselben Intensität wiederkommen, wenn wir sie weiter mit Fressattacken lähmen und meistens reagieren wir auf das Gefühl ablehnend und fragen uns:

Was läuft schief in meinem Leben? Warum bin ich ohne Grund so verzweifelt? Warum kann dieses sch*** Gefühl nicht einfach weggehen?

Die gute Nachricht: Fast alle Menschen kennen dieses Gefühl und wie das mit Gefühlen so ist, sollte man getrost vertrauen, dass sie kommen und gehen. Somit kann man die innere Leere als erstes Mal akzeptieren, sich in Ruhe einen Tee oder Kaffee kochen, sich hinsetzen und das Gefühl einfach registrieren. Versuche fürs erste nicht mit dem Gang zum Kühlschrank zu reagieren. Oft bietet allein die erhöhte Achtsamkeit für den Moment eine Milderung des Essdrangs.

Wenn die innere Leere zuschlägt, sollten wir stattdessen den Blick in unser Inneres kehren und uns dem Gedankennebel zuwenden. Auch wenn das schwer ist, die innere Leere möchte wahrgenommen und nicht erdrückt werden …

Erika Chopich und Margaret Paul, Autoren von „Das Arbeitsbuch: Zur Aussöhnung mit dem inneren Kind“ prägten die Begrifflichkeit des inneren Kindes. In diesem imaginären Konzept sind quasi all unsere gespeicherten Gefühle aus der Kindheit vereint. Gehen wir also mal davon aus, dass wir beim Gefühl der inneren Leere wieder ein Kind sind, das sich vor dem gerade Erlebten schützen will und einfach keinen Bock mehr hat.

Und jetzt stell dir vor deine Mama trampelt herein und schreit: „Du Nichtsnutz, sitzt du schon wieder herum und schiebst Hass? So kann es nicht weitergehen, du hängst nur rum, geh raus und komm endlich wieder hoch!“

Na, wie fühlt sich das an? Wahrscheinlich nicht gerade motivierend. Am liebsten würden wir uns nach so einer Ansage einfach weiter vergraben.

Sei dir selbst dein bester Freund

Stattdessen wäre es heilsam, genauso mit sich zu reden, wie man es mit einem guten Freund tun würde. Szenenwechsel: Ein Freund/ein Familienmitglied kommt ins Zimmer, mit einem warmen Tee, nimmt uns in den Arm und sagt: „Ich sehe, dass es dir heute nicht so gut zu geht. Kann ich etwas für dich tun? Das wird schon wieder, jedem geht es manchmal so wie dir.“ Funktioniert schon eher, oder? Genauso sollten wir uns behandeln. Fragen stellen, die unterstützend wirken und liebevoll sind:

Was brauche ich gerade wirklich?
Was könnte meinen Zustand (außer eine Essattacke) etwas verbessern?
Auch wenn ich super unmotiviert bin, könnte es sein, dass bereits ein kleiner Spaziergang meine Stimmung verbessern kann?
Was kann schlimmstenfalls passieren, wenn ich das Gefühl, das ich gerade habe, einfach aushalte und warte, bis es verschwindet?
Wann habe ich mich in meiner Vergangenheit schon einmal so gefühlt und was hätte mir zu der Zeit geholfen?

Probiert es das nächste Mal einfach aus! Wir freuen uns, wenn ihr eure Erfahrungen mit uns teilt.

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