Esssucht – was ist das?

Wie es der Name bereits sagt, handelt es sich bei Esssucht um die Sucht nach Essen. Dabei geht es nicht um das Stillen des physischen Hungers, sondern ähnlich wie bei anderen Süchten dient die Droge, in diesem Fall Essen, der Kompensation von Gefühlen. Unzufriedenheit, Traurigkeit, depressive Verstimmungen oder einfach nur eine unbestimmte Leere – plötzlich ist der Klimax erreicht und im Kopf dreht sich alles nur noch ums Essen. Möglichst viel, möglichst fettig, süß und lecker, möglichst jetzt und möglichst alleine: Hunger im Kopf. Solange, bis sich der wohlige Zustand von Zufriedenheit und Entspannung wieder einstellt und der physische Hunger eigentlich längst gestillt ist.

Später schmieden wir vielleicht auch wieder Pläne.

Damit eine solche Fressattacke nie wieder vorkommt, stellen uns vor, wie wir ab dem nächsten Tag endlich abnehmen und ganz normal essen. Aber nicht jetzt. Jetzt sind wir im Ess-Delirium. Alles weich, zart und gut. Keine Probleme auf meiner Wolke – Nur 5.200 Kalorien zu viel im Bauch. Wie so oft.

Medizinisch gesehen ist die Esssucht natürlich keine Form der Drogenabhängigkeit, sondern reiht sich gemeinsam mit Bulimie und Anorexie in die Reihe der Essstörungen ein. Dabei ist die Esssucht, auch Binge-Eating-Disorder genannt, die letzte dieser Störungen, die offiziell als psychische Erkrankung in die Internationalen Klassifikationssysteme (ICD-10 und DSM-V) aufgenommen wurde. Der englische Begriff Binge-Eating beschreibt das Krankheitsbild Esssüchtiger sehr anschaulich: Bei sogenannten Fressattacken wird das Essen eimerweise (binge = Eimer, Korb) in sich hineingeschaufelt und eben nicht, wie bei der Bulimie, dem Körper durch Erbrechen wieder entnommen.

Gründe für solche Fressattacken sind emotionaler Natur.

Deswegen kannst du das Binge-Eating-Disorder auch nur in den Griff bekommen, wenn du dich mit den individuellen psychologischen Mechanismen hinter deiner Sucht auseinandersetzt. Eine reine Ernährungsumstellung oder Diät wird langfristig zu keinem Erfolg führen. Und eigentlich wissen wir das ja auch schon. Wäre ja nicht der erste Versuch …

Offiziell wird übrigens erst von einer Esssucht gesprochen, wenn unkontrollierte Heißhungerattacken mindestens zwei Mal in der Woche über mindestens sechs Monate auftreten Auch wird häufig Adipositas, also ein BMI von mindestens 30, als Binge-Eating-Marker genannt. Allerdings bedingt das eine nicht das andere. Auch Depressionen korrelieren häufig mit Binge-Eating, aber ähnlich wie bei Adipositas ist es ein Huhn-Ei-Problem. Ob es sich bereits um eine klinische Esssucht handelt, kann am Ende nur der Arzt entscheiden. Die Symptome sind dann häufig wesentlich ausgeprägter, der Leidensdruck sehr hoch und auch die mit Adipositas einhergehenden Folgeerscheinungen, wie Diabetes, Gelenkschmerzen, Atemnot, oder sozialer Rückzug manifestierter. Hier ist aus vielerlei Hinsicht eine ärztliche und psychologische Begleitung unbedingt empfehlenswert!

Doch auch Menschen, die ihr Essverhalten besser kontrollieren können und vielleicht seltener unter Essattacken leiden, aber sich von einer Diät zur anderen hangeln und nur leicht übergewichtig sind, haben oft kein normales Essverhalten. Essen ohne Emotionen, ohne schlechtes Gewissen ist auch hier nicht mehr möglich.

Will man diesen Teufelskreis verlassen, muss das intuitives Essen neu erlernt werden. Schritt für Schritt.

Ohne Diät, ohne Bikini-Figur in zwei Wochen und ohne radikale Ernährungsumstellung, sondern mit Selbstliebe, Verständnis für die eigenen Emotionen, einem guten sozialen Netzwerk und einer undogmatischen gesunden Ernährungsweise.

Falls du in deinem sozialen Netzwerk nicht die Hilfe brauchst, die du benötigst, nutze das Internet! Viele Foren bieten Unterstützung und Gleichgesinnte. Hungrig-online ist zum Beispiel eine gute Adresse. Aber auch wir stehen hinter dir. Schreib uns – wir freuen uns über jede Nachricht. Denk immer daran: Gemeinsam ist man weniger allein. 🙂