Warum du deine Esssucht mit keiner Diät dieser Welt in den Griff bekommen wirst

Du bist Binge-Eater und esssüchtig. Du möchtest abnehmen. Regelmäßig hast du Fressanfälle, und schaufelst dir in diesen Momenten so viel Essen hinein, dass du vor dir selbst erschrickst.  Du bist unglücklich und möchtest etwas ändern, deine Essucht besiegen: Eine neue Diät muss her. Die wird dich allerdings kein Stück weiterbringen.

Warum, fragst du?

Unsplash ©Hannah Morgan

Ob Binge-Eating, ein anderer Befriff für Esssucht,  oder nicht. Diäten sind sehr selten erfolgreich. Nur wenige schaffen es, mit Diäten abzunehmen und das Gewicht auch langfristig zu halten. Der Rest hat das Gewicht nach kürzester Zeit wieder drauf und nimmt häufig sogar noch zu. Dies liegt an dem restriktiven Charakter von Diäten: Sie streichen in der Regel einen großen Teil der Ernährung aus dem Speiseplan, reduzieren die Kalorien drastisch und verteufeln bestimmte Lebensmittel. Eine solche Ernährung kann langfristig gar nicht funktionieren.

Wer schafft es denn ein Leben lang auf Fett, Fleisch, Kohlenhydrate oder was auch immer zu verzichten?

Richtig, kaum einer. Hinzu kommt, dass Diäten mit dem Verbot von bestimmten Lebensmitteln diese mit Emotionen auflädt. Plötzlich hast du ein schlechtes Gewissen, weil du dir doch einen Löffel raffinierten Zucker in den Tee getan hast. Oder du geißelst dich, weil du ja zum Schokoriegel, zu der ganzen Schokoriegeltüte gesagt hast, obwohl du ja eigentlich die Apfelessig-Diät machst. Und so dreht sich die Teufelskreisspirale: Weil es ja jetzt eh egal ist, warum nicht gleich noch ‘ne große Pommes und den Lieblingsburger mit extra viel Röstzwiebeln…. ?

Keine langfristigen Abnehmerfolge mit Diäten bei Esssucht

Diäten helfen nur, um kurzfristige Ziele zu erreichen. Nachhaltigkeit spielt hier keine Rolle. Wer also drei Kilo für das Vorstellungsgespräch oder das nächste große Familienfest abnehmen möchte, darf gerne zur Bollywood-Beach-Diät (Spoiler: diese Diät gibt es gar nicht 😉 )  greifen. Für Abnehmerfolge, die auch noch in zwei Jahren auf der Waage sichtbar sein sollen, ist intuitives Essen und Ernährungsumstellung das Credo. Das bedeutet: Ja, zu einer ausgewogenen, gesunden (viel Obst, Gemüse usw.) Ernährung. Ja, zu essen, wenn ich hungrig bin und aufhören, wenn ich satt bin. Ja, zu mehr Bewegung im Alltag. Ja, zu so wenig Fertiggerichten wie möglich.  Ja, zu Chips, Cola, Schokolade, Fleisch, Zucker, .. wenn dir danach ist. Ja, zu allen Lebensmitteln.

Immer häufiger stößt man nun auch auf ganzheitliche restriktive Ernährungsumstellungen. Lebensmittel werden hier nicht mehr für einen begrenzten Zeitraum aus dem Speiseplan gestrichen, sondern für immer. Ob Raw till 4 (nur rohes Obst und Gemüse bis 16 Uhr), Paleo (Essen, wie in der Steinzeit), High-Carb-Diät (viele Kohlenhydrate), Low-Carb-Diät (wenige Kohlenhydrate)…. sie alle “verteufeln” bestimmte Lebensmittel und erschweren damit intuitives Essen.

Denn mit dem Verbot kommt die Emotion ins Spiel und die hat beim Essen eigentlich nichts zu suchen.

Wie überall gilt auch hier: Die Masse macht das Gift. Gegen eine pflanzenbasierte oder eine ausgewogene “Steinzeit-Ernährung” ist per se erst einmal nichts einzuwenden. Nur sollten alle Lebensmittel erlaubt sein. Denn wenn dir dein Körper Lust auf Schokolade signalisiert und du dies konstant unterdrückst, wirst du über kurz oder lang in die nächste Heißhungerattacke schlittern.

Nach dem Binge-Eating ist vor der nächsten Essstörung

Auffällig ist übrigens auch, dass viele der Vertreter neuer Ernährungsweisen zuvor unter Essstörung wie Binge-Eating oder Magersucht litten und erst mit der jeweiligen Ernährungsumstellung aus dieser fanden. Dennoch kreist sich deren Leben immer noch nur um Ernährung, Nährstoffe und den eigenen Körper. Ein interessantes Beispiel hierfür ist zum Beispiel die Erfinderin der Raw-till-4-Ernährungsweise und Youtuberin Freelee, die einst als Freelee the Banana Girl für großes Aufsehen sorgte.  In ihrer Vergangenheit litt Freelee an Binge-Eating. Geheilt hat sie eine vegane Rohkosternährung, in der sie sich bis um 16 Uhr ausschließlich von Rohkost ernährt. Dabei ist ihr Konzept, dass man, ernährt man sich so wie sie, so viele Kalorien wie möglich zu sich nehmen darf (und auch soll) ohne zuzunehmen.

In regelmäßigen Videos sahen wir sie als „Banana Girl“ 5.000 Kilokalorien und mehr in Form von Shakes etc. verputzen, während sie Ihren sehr schlanken Körper der Kamera präsentierte. Zusätzlich machte sie sehr viel Sport und berichtet auch darüber. Und eigentlich drehte sich ihr Leben um nichts anderes als um Essen und ihr Äußeres  – ganz ähnlich wie beim Binge-Eating. Man könnte fast meinen, sie sei von der einen Essstörung in die nächste gerutscht. Populärwissenschaftlich spricht man diesbezüglich sogar schon von der Orthorexia Nervosa – dem krankhaften “Gesundessen”. Klingt verrückt? Vielleicht. Empfehlenswert ist es sicherlich nicht.

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